Margrit Hardegger aus Hauenstein berät Menschen in allen Lebenslagen.

Der kleine Wegweiser an der Strasse Richtung Ifenthal führt zu einem gepflegten Einfamilienhaus. Margrit Hardegger, eine schlanke Frau mit rötlichen Haaren, öffnet lächelnd die Tür. Im Zimmer gleich nebenan empfängt sie ihre Klientinnen und Klienten. Das Bild, das dort an einer Wand hängt, zieht nicht nur wegen seiner Grösse von mehr als einem Quadratmeter sogleich alle Blicke auf sich. Man sieht darauf eine goldene, runde Fläche vor schwarzem Hintergrund, die von zwei Kreisbahnen mit farbigen Punkten durchquert wird.

Hardegger weiss um die Wirkung des Gemäldes, das ein Freund von ihr anfertigte. «Die Leute sehen ganz verschiedene Dinge darin. Für manche ist es ein Symbol für die fliessende Energie, andere sehen darin ein Zusammenkommen von verschiedenen Qualitäten und Kräften.» Der Maler hatte das Bild für Hardegger und ihren mittlerweile verstorbenen Ehemann angefertigt. «Er meinte, darin sei unser harmonisches Zusammenwirken am besten ausgedrückt.» Zu ihren Arbeitsfeldern gehören Life Coaching, mediale Beratung und verschiedene spirituelle Verfahren amerikanischer Autoren wie «The Work» nach Byron Katie oder «Radikale Vergebung» nach Colin C. Tipping.

Der Mensch ist für Hardegger nicht nur ein physisches Wesen. «Wir sind mehr als das, was wir denken», sagt sie und fügt lachend an: «Wir sind eigentlich lebendige Datenbanken.» Wenn ihr ein Klient gegenüber sitzt, nimmt sie seinen «Energiekörper» wahr und «liest», was sich ihr zeigt. Dieser Vorgang hat nichts mit Schlummer-Trance zu tun, Hardegger bleibt dabei hellwach. Sie betrachte so das Potenzial des Menschen, seine Zielsetzungen, seine Lernprozesse. Als «Begleiterin», wie sie sich nennt, teilt sie ihre Eindrücke dem Klienten mit. Dadurch sollen die Ursachen von Problemen, Ängsten, Stress oder Depressionen erkannt werden. «Im Gespräch versuchen wir dann, mit unterstützenden Fragen von mir, Wege und Lösungen zu finden.» Ziel einer Beratung sei es, dass sich der Klient klarer, lebendiger und leichter fühle. «Das Leben wird schöner», ist sie überzeugt.

 

Life Coaching in allen Lebenslagen

In die Praxis kommen Leute, die mehr über sich selbst wissen möchten oder an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen. «Es gibt Menschen, die kommen ein einziges Mal für eine Standortbestimmung.» Bei anderen gibt es zwischen fünf und zehn Sitzungen. Und einige kommen immer wieder. «Manche seit 25 Jahren», erklärt Hardegger. Das Altersspektrum reicht von 13-14 jährigen Jugendlichen bis zu Senioren.

Eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht, allerdings schränkt Hardegger ein: «Ich hatte auch schon eine demente Frau. Sie war gerne bei mir, aber ich merkte, dass ich sie nicht mehr erreichen konnte und brach daher die Begleitung ab.» Und noch zu anderen sagt sie nein: «Bei Leuten, die psychisch krank sind, verweise ich diese an eine darin geschulte Fachperson.» Spürbar angestiegen sei in den letzten Jahren die Nachfrage nach Paar-Beratungen. «Das funktioniert allerdings nur, wenn beide an sich arbeiten wollen. Wenn jemand nur dem Partner zuliebe kommt oder gar gegen seinen Willen hier ist, hat es keinen Sinn, überhaupt anzufangen.»

 

Das Leben ganz der Spiritualität gewidmet

Neben dem Standort in Hauenstein arbeitet sie auch in Zürich. «Dort kommen mehr Männer», stellt Hardegger fest. Vielleicht, weil die Stadt anonymer ist oder weil sich auch eine ganz andere Bevölkerungsgruppe für diese Art von Beratungen interessiert: «Zu meinen Klienten gehören dort Banker, Versicherungsmanager oder Piloten.» Dass Hardegger einmal eine eigene Praxis für Lebensberatung und geistige Arbeit führen würde, ahnte sie vor dreissig Jahren noch nicht. «Ich hatte eine sehr gute Stelle als Vertriebsleiterin eines deutschen Verlages.» Gerade stand sie vor einem Angebot, das ihre Position noch verbessert hätte. Doch sie lehnte ab: Vor 25 Jahren kündigte sie, um sich ganz der Spiritualität zu widmen. Der «Gump» in die Selbstständigkeit habe Mut gebraucht, aber sie bereue ihn gar nicht.

Hardegger ist bald 65 Jahre alt, denkt aber noch keineswegs ans Aufhören. «Ich werde es ein bisschen ruhiger nehmen», meint sie lachend, obschon sie dabei ist, ein neues Hobby anzufangen: Sie lässt sich zur Feldornithologin ausbilden. «Das Beobachten von Vögeln in der Natur erfüllt mich mit Freude.» Mit dem Feldstecher verfolgt sie Zugvögel und unterscheidet sie nach ihren Lauten. Auch hier konzentriert sich Hardegger ganz auf ihre Sinne: «Meine Augen und Ohren sind ganz da.»

 

 

Original-Artikel vom Oltner Tagblatt hier